Heute möchte ich mal ein höchst umstrittenes Thema anschneiden und vorab: Es gibt kein richtig und kein falsch. Sicherlich sprechen gute Gründe für einen Organspendeausweis und die Freigabe von Organen im Todesfalle, es sprechen aber sicherlich auch genauso gute Gründe dagegen. Letztlich ist die Entscheidung eine ganz persönliche Überlegung die jeder ergebnisoffen anstellen sollte.
Wie sieht es derzeit mit Organspenden aus?
Derzeit ist es so, dass ein Verstorbener einwilligen muss, damit seine Organe transplantiert werden können und damit das Leben eines anderen verlängern können. Wenn also ein Organspendeausweis vorliegt können die behandelnden Ärzte diesem entnehmen, ob die Organe gespendet werden sollen, ob ein bestimmter Angehöriger wie z. B. die Ehefrau hierüber entscheiden soll oder ob die Organe nicht entnommen werden dürfen. Gibt es keinen solchen Ausweis sollen die Angehörigen den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen wiedergeben und die Transplantation entweder freigeben oder eben nicht. Im Zweifel wird das Organ nicht entnommen.
In vielen Ländern Europas ist das anders, häufig ist z. B. das Widerspruchsprinzip, d. h. konkret, widerspricht der Verstorbene zu Lebzeiten der Entnahme der Organe nicht, dann dürfen und werden diese transplantiert. Eigentlich ist dies eine sinnvolle Regelung, da sich viele keine Gedanken über das Thema machen oder es ihnen einfach gleichgültig ist. Andererseits soll ja jeder darüber entscheiden und seinem ethischen Empfinden nach selber die Organe freigeben dürfen. Die deutsche Regelung hat aber einen großen Haken, bei uns werden überdurchschnittlich wenig Organe gespendet. Gerade heute habe ich gelesen, dass täglich 3 der potentiellen Transplantationsempfänger nur auf Grund der Tatsache sterben, dass nicht rechtzeitig das begehrte Organ verfügbar ist. Allein das ist eine Tatsache, die uns bewegen sollte die Regelung kritisch zu hinterfragen.
Die diskutierte Gesetzesänderung
Diskutiert wird die derzeitige Situation schon seit vielen Jahren. Im Prinzip sind für Deutschland zwei Modelle im Gespräch: a) Eine Regelung die besagt, dass im Zweifel Organe gespendet werden, es sei denn es wird widersprochen und b) eine Regelung in der sich der potentielle Spender - mithin alle lebenden Menschen - gefragt werden und er sich erklärt. Hier gibt es dann auch wiederum zwei Modelle, einmal, dass sich der potentielle Spender erklären muss (was vielfach als grundgesetzwidrig eingestuft wird) oder dass er gefragt wird und sich erklären kann. Hier kommen dann entweder die Einwohnermeldeämter oder die Krankenkassen ins Spiel. Beim Einwohnermeldeamt wird jeder Bürger über 25 schon aufgrund des Zwanges einen Personalausweis oder Reisepass zu besitzen einmal in der Dekade vorstellig. Hier könnte er auch direkt angeben, ob er im Falle des Falles seine Organe zur Verfügung stellt und dies wird dann wahlweise im Personalausweis oder intern vermerkt. Ähnlich könnte dies auch über die Krankenkassen laufen, dort könnte sich der potentielle Spender erklären; als Antworten stehen dann "ja", "nein" und "ich möchte mich jetzt noch nicht entscheiden" zur Verfügung.
Letzteres halte ich für eine sinnvolle Änderung, die es einerseits ermöglicht möglichst viele zu Spendern werden zu lassen andererseits aber auch deren mögliche ethische Bedenken zu respektieren. Die Leute, die sich mit dem Thema nicht beschäftigen oder denen es egal ist kann man so leichter mit dem Thema in Verbindung bringen.
Der Ausweis
Der Ausweis, den man sich hier (Organspende-Info.de kostenlos im Internet herunterladen kann wird am Computer ausgefüllt und dann mit einem Farb- oder Schwarz-Weißdrucker ausgedruckt und unterschrieben. Man kann dort viele Dinge regeln.
Man kann diesen auch interaktiv auf der Webseite der Initiative erstellen und ausgefüllt herunterladen: https://www.organspende-info.de/aktivitaeten/ausweis/erstellen/
Zusammen mit dem Ausweis lädt man auch gleich eine "Bedienungsanleitung" herunter.
Sinnvollerweise sollte man den Ausweis, sofern man sich für diesen entscheidet, so mit sich führen, dass er im Zweifel auch gefunden werden kann.
Der Ablauf
Wenn man einen Organspendeausweis hat, wird keiner einem sofort den Tod wünschen und es wird auch kein Arzt in Deutschland erfolgversprechende Rettungsversuche unterlassen. Ziel im Unglücksfall ist es immer die Person die verunfallt ist, zu retten. Gelingt dies nicht und bestimmte Organe komme für eine Spende in Frage werden diese, nach dem der Tod festgestellt wurde, entnommen. Vorher findet allerdings noch ein Gespräch der Ärzte mit den Angehörigen statt, viel wichtiger aber, vor der Entscheidung müssen zwei erfahrene Ärzte unabhängig voneinander der irreversiblen Hirntod feststellen. Die Organe werden dann noch im Labor vor und nach der Entnahme untersucht. Sie werden dann sorgfältig entnommen und beim Empfänger eingepflanzt, dessen Leben dadurch mutmaßlich verlängert wird. Alles, auch die Vergabe, folgt ganz strengen Gesetzen und Verfahrensanweisungen, so dass keiner aufgrund des Geldes oder einer sozialen Stellung bevorzugt wird oder jemand in rettungsfähiger Verfassung vernachlässigt wird.
Was ist mit Diabetikern?
Ich persönlich habe so einen Ausweis im Portemonnaie. Die Frage ist, ob die Organe eines Diabetikers überhaupt interessant sind. Wahrscheinlich sind sie das in unserer Überflussgesellschaft nicht, dennoch möchte ich dies einer Einzelfallentscheidung nicht vorweg nehmen. Denn, wenn meine Alternativen als Empfänger folgende sind, entweder ich sterbe zeitnah oder bekomme ein Organ eines Diabetikers, wäre meine Entscheidung ganz eindeutig. Außerdem werden die Organe ja untersucht und was spricht gegen ein funktionierendes Herz? Es muss ja nicht gleich meine Bauchspeicheldrüse sein, und selbst die produziert noch vortrefflich viele Hormone, nur eben kein Insulin. Aber es gibt sicherlich schlimmeres. Lieber Diabetes haben als direkt zu sterben.
Der Fairness halber habe ich den Diabetes natürlich in dem Ausweis vermerkt. Wenn das ein no go ist, nun gut, es hat mich nicht viel Zeit gekostet den Ausweis auszufüllen, dann werde ich halt komplett beerdigt oder verbrannt. Wenn sich aber doch jemand für meine Organe entscheidet habe ich möglicherweise einem Menschen das Leben verlängert; denn ich benötige meine Organe im Todesfalle nicht mehr. Wenn es kein Leben nach dem Tod gibt brauche ich diese Organe offenkundig nicht, ist doch eh alles zu Ende. Gibt es ein Leben nach dem Tod, wird sicherlich niemand meinen Körper importieren, sondern es findet irgendwie anders statt; aber auch dann benötige ich keine Organe mehr.
Fazit
Es sollte sich jeder Gedanken zu dem Thema machen, und weder ein "ja" noch ein "nein" ist verwerflich. Es kostet nicht viel Zeit und auch das Ausdrucken ist nicht problematisch. Die Daten werden auch nicht registriert, sollte ich mich also umentscheiden kann ich den Zettel zerreißen und wegwerfen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, egal was nach meinem irdischen Tod passiert, meine Organe benötige ich jedenfalls nicht mehr.
Ich jedenfalls wäre im Notfall dankbar für jedes Organ, auch Du solltest Dir die Frage stellen, ob Du nicht gerne ein Organ hättest, wenn Du sonst sterben müsstest oder ständig zur Blutwäsche. Nur: Organtransplantationen sind ohne Spenden (noch) nicht möglich.
Weitere Informationen finden interessierte auf nachfolgenden Webseiten:
