Bei allen psychosozialen Bemühungen die Erkrankung eines Kindes an Typ-1-Diabetes für das Kind und die Eltern begreiflich zu machen, geraten die gesunden Geschwister häufig außerhalb des Fokus. Daher will diese Seite jene Seite beleuchten, die oft in Gesprächen über Kinderpsychologie und Diabetes untergeht.
Wie reagiert das Geschwister auf den Diabetes?
Die Reaktion der Geschwister hängt von vielen Faktoren ab: Zum einen spielt das Alter eine Rolle: Während ältere Geschwister eher eine Fürsorgefunktion haben und nur selten um Aufmerksamkeit der Eltern ringen, verstehen jüngere Brüder oder Schwestern die Änderungen im Familienaltag oft nicht.
Diese Aussage ist gleichfalls von dem Alter der Kinder abhängig. Weiterhin bildet die Reihenfolge der Kinder eine Rolle: Ist das gesunde Kind das Erstgeborene oder gar das Nesthäckchen? Wie war die Behandlung und Zuwendung vor der chronischen Erkrankung? Am besten ist es gleichfalls, die Gerechtigkeit in der Familie trotz Mehraufwand für das erkrankte Kind aufrecht zu erhalten, ohne eine große Verschiebung der Aufmerksamkeit den einzelnen Kindern gegenüber sich anmerken zu lassen. Zweifellos ist dies eine schwierige Aufgabe: Schon bei der Manifestation des Diabetes erleben die gesunden Geschwister vor allem bei sehr kleinen erkrankten Brüdern und Schwestern ihre Eltern, die sonst nur Sicherheit und Konstantheit ausgestrahlt haben, unsicher und oft weinend. Dies macht ihnen Angst. Wenn die Eltern folgend dem kranken Kind Privilegien zukommen lassen die die Stellung des gesunden Kindes subjektiv beeinflussen, entsteht oft Neid. Diesem gilt es zuvor zu kommen, andernfalls ist es nicht verwunderlich, wenn die gesunden Geschwister signalisieren: "Hallo mich gibt's auch noch!"
Mitgefühl
"Neben" der Möglichkeit des Gefühls der "Vernachlässigung" steht gleichfalls das des Mitleids mit dem Geschwister. Erstrecht im jungen Alter haben viele Geschwister eine sehr enge Bindung. Wenn eines davon chronisch erkrankt,
ist es für beide Kinder ein Schock. Nicht nur das Verhalten der Kinder, den Eltern gegenüber sondern auch untereinander verändert sich rapide, so dass viele Geschwister in Schulungen und Gesprächen über Diabetes eingebunden werden sollten.
Das Bedürfnis nach Sicherheit - werde ich auch krank?
Diese Schulungen und Gespräche sind vor allem wichtig, weil oft eine Frage im Stillen entsteht: Könnte ich auch diese Krankheit meiner Schwester/meines Bruders bekommen? Gleichfalls gibt es Situationen, bei denen sich die Geschwister Vorwürfe machen, dass sie zumindest Mitschuld an der Erkrankungen, bspw. durch Süßigkeiten ect. seien. Diese Gedanken müssen durch viele Gespräche zwischen den Eltern, dem erkrankten Kind und den Geschwistern ausgeräumt werden, bevor die Unsicherheit in Aggressivität oder Depressionen mündet.
Das helfende Geschwister
Problematisch wird das Zusammenleben, wenn die Eltern die teilweise Übernahme der Verantwortung oder eine besondere Rücksichtsnahme durch die gesunden Geschwister als selbstverständlich ansehen.
Dies kann zu Agressionen dem kranken Geschwister und/oder den Eltern gegenüber führen. Dies begründet sich in dem starken natürlichen Egoismus, welchem Kindern und vor allem kleinen Kindern anhaftet, und mit dessen Hilfe dieses die eigene Persönlichkeit entwickelt. Um diesen Egoismus nicht allzu stark zu provozieren, ist es sinnvoller durch Gespräche, gemeinsamen Aktionen, wie Ausflügen die Bindung zwischen den Kindern trotz des Diabetes zu stärken und somit eine Verantwortung des gesunden dem kranken Kind gegenüber von innen heraus entstehen zu lassen.
Spätestens in der Schule, wenn das gesunde Geschwister auf den Diabetes des Bruders oder der Schwester angesprochen wird, zeigt diese Entwicklung Früchte.
