In mehrerer Hinsicht ist der Drang, das Insulin nicht mehr per Spritze, sondern per Nasenspray, Kapsel, Pflaster oder Inhalation zu bekommen enorm und wird auch immer stärker. Zum einen ist die psychische Barriere vor der Spritze, vor allem bei Typ-2-Diabetiker/innen da und zum anderen gibt es durch die stechintensiven aber erfolgreichen Therapien wie die ICT mögliche Folgeerscheinungen, wie Schwellungen an den Einstichstellen.
Nasen- oder Rachensprays?
Diese Idee wurde leider aufgegeben: Die wenigen Studien haben katastrophale Ergebnisse geliefert: Die Aufnahmefläche war zu klein, die Wirkung oft zu schwach und das bei gleichzeitig starker Reizung der Schleimhäute.
Tabletten oder Kapseln?
Hier klang alles etwas vielversprechender: Das orale Insulin wirkt sehr kurz und schnell - tw. noch schneller als subkutanes Analoga. Der Abbau im Magen könne durch geeignete Formulierungen verhindert werden. Die Probleme sind allerdings: In der Forschung brauchte man sehr hohe Dosen: 100 I. E. hatten oft erst eine messbare Wirkung und diese schwankte auch noch enorm zwischen nüchternen Zustand und wenn man was gegessen hatte. Somit lässt sich nur abschließen, dass dieser Weg noch sehr lange von dem klinischen Alltag entfernt ist.
Strom?
So skurril das klingt: In den USA stellte eine indisch-israelische Forschungsgruppe eine Möglichkeit vor, per galvanischen Stromes (Iontophorese), Insulin durch die Haut, d. h. transdermal, zu transportieren. Die Erfolgsrate des Transportes lag bei 10%. Mehr ist über diese Idee bei Redaktionsschluss leider nicht zu erfahren gewesen.
Inhalierbares Insulin?
Dies ist zur Zeit am Erfolg versprechensten. Es wirkt in den unteren Atemwegen auf einer Oberfläche, so groß wie ein Tennisfeld. Sowohl das Insulinpulver, als auch Aerosol ist in klinischen Studien schon mehrfach nachgewiesen worden. Einzige Wehrmutstropfen sind die Antikörperbildung, d.h. vergleichbar mit allergischen Reaktionen gegen das inhalierbare Insulin bei ca. 10% aller Patienten und einer Beeinträchtigung der Lungenfunktion. Letztere ist allerdings nach dem Absetzen des Insulin reversibel, d.h. rückgängig machbar. Bezüglich Raucher und Asthmatiker hat man herausgefunden, das ersteres die Insulinresoption verstärkt, d.h. dass Rauschen in diesem Fall zu Unterzuckerungen und Asthma zu einer geringeren Aufnahme des Insulins führen kann. Eine Studie hat diesbezüglich bewiesen, dass inhalierbares Insulin bei Raucher schneller und stärker, aber vor allem unkontrollierbarer wirkt, als bei Nichtraucher. Innerhalb von wenigen Wochen Nichtrauchens pegelte sich die Wirksamkeit jedoch wieder ein. Es wird abzuwarten sein, ob die Krankenkassen die letzte Hürde, die wahrscheinlich hohen Kosten ebenfalls übernehmen würden.
Diabetes Care 2006; 29:277-282.
Ärzte Zeitung, Nr. 134 (24) 21.07.2005, S. 2.
