Nach drei Jahren waren wir wieder auf einer Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Gleichwohl wir keine drei bzw. vier Tage in der Messestadt Leipzig verweilen konnten, möchten wir unseren Eindruck von der bedeutendsten Konferenz im Bereich Diabetes mellitus mit Hilfe von ein paar Fotos umreißen.
Generell muss ich leider mit dem ersten negativen Eindruck beginnen. Im Gegensatz zu den Jahren 2006 und 2007 wirkte der Andrang und die Ausstellungsfläche bei der diesjährigen Tagung deutlich kleiner. So war die Industrieausstellung durch eine fast leere Halle von den Hörsälen getrennt. In dieser war die offizielle Posterausstellung, die auch noch im Vergleich zu den früheren Besuchen deutlich kleiner ausfiel. ![]()
Positiv war jedoch, dass es eine ganze Reihe von interessanten Vorträgen gab, die mit den Präsentationen neuer Ideen und Produkte der Hersteller flankiert wurden. Einige dieser Neuheiten aus der Industrieausstellung möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen. Anschließend ist es uns eine Ehre noch auf ein Pressegespräch der Firma Bayer einzugehen, welches ebenfalls interessante Punkte enthielt.
Neben einer ganzen Reihe kleiner Stände boten die folgenden größeren Firmen interessante Neuheiten an:
Ypsomed hatte vor einiger Zeit das seinerzeit neuartige Insulinpumpensystem Omnipod von der Firma Insulet aus den USA in Deutschland eingeführt. Nun wurde ein Teil des zweigliedrigen Systems, der Pod, in neuer und kleinerer Form präsentiert. Besonders beachtlich fanden wir die enorme Minimierung der elektronischen und mechanischen Komponenten, so dass die Reservoirgröße von knapp 200 I.E. beibehalten werden konnten und der neue Pod deutlich flacher und kleiner ist. (siehe auch http://de.mylife-diabetescare.de/mylife-omnipod.html )
Abbott veröffentlichte vor kurzen mit dem FreeStyle InsuLinx (http://www.freestyleinsulinx.de/) ein neues Blutzuckermessgerät, welches stark an die Smart Phones erinnert. Über einen Touchscreen kann der Diabetiker und / oder sein behandelnder Arzt u.a. die BE- und Korrekturfaktoren für Typ-1 und Insulin spritzende Typ-2-Diabetiker festlegen, so dass der Patient über das große Display eine vollständige Tagebuchsoftware inklusive aller Berechnungshilfen (bspw. ähnlich eines Bolus-Expert) bedienen kann. Lediglich die vorgeschlagenen und injizierten bzw. gepumpten Insulineinheiten müssen noch zusätzlich bestätigt werden, um das komplette Blutzuckertagebuch zu erhalten. Wir werden versuchen, ein FreeStyle InsuLinx auf Herz und Nieren zu testen und halten Sie dann in der entsprechenden Kategorie auf dem Laufenden.
Weiterhin gibt es in dem Bereich der Insulinpens den neuen ClickStar und bei den Blutzuckermessgeräten den IBGStar (beide von Sanofi-Aventis). Der Pen führt die Click-Serie der Firma fort und beeindruckt durch die Einbeziehung von Hinweise von 2000 Patienten und 450 Ärzten und Diabetesberatern im Vorfeld der Entwicklung. Er ist sehr robust, sicher, genau und durch einen speziellen Drehknopf kann man sowohl akustisch als auch durch den Tastsinn herausfinden, wie viele Einheiten im 1er Schritt eingestellt wurden. Leider ist er nur für die Insulinpatronen des Hauses zugelassen. (Für die weiteren Informationen, siehe http://www.diabetologieportal.de) Das Messgerät IBGStar war ein kleiner Star auf der DDG 2011. Es lässt sich drahtlos mit dem iPhone und iPod verbinden. Über eine kleine so genannte “App” verfügt der Diabetiker über eine komplexe Blutzuckersoftware auf seinem Smartphone und ist optional jederzeit mit seinem Blutzuckermessgerät verbunden. Darüber hinaus wurde die elektrochemische Messmethode verbessert, so dass eine sehr hohe Genauigkeit versprochen wird. In wieweit dies zutrifft und welche Vor- und Nachteile das Gerät noch haben könnte, lesen Sie hoffentlich demnächst in der Kategorie Testberichte im Bereich der Blutzuckermessgeräte. Bis dahin finden Sie weitere Informationen unter: http://www.bgstar.de/
Darüber hinaus gab es natürlich auch auf den anderen Ständen Neuigkeiten zu erfahren, die jedoch aus Gründen der subjektiven Relevanz und des Platzes unerwähnt bleiben.
Vor allem der Stand von Bayer mit seinem Wellness- / Massage-Bereich stach vom Design heraus. Ansonsten sei noch angemerkt, dass viele Stände Joghurts und Fruchtsäfte anboten, so dass man sich als Teilnehmer durchaus gesund ernähren konnte.
Bei der Firma Bayer HealthCare bleiben wir auch im letzten Abschnitt unseres Kongress-Berichtes. Abseits des Tagungsrummels lud die Firma zu einem Pressegespräch in der Innenstadt ein. In diesem Zusammenhang erklärte Prof. Dr. Peter Schwarz in einem Vortrag die Rolle der Blutzuckermessung im Rahmen einer erfolgreichen Stoffwechselkontrolle und sprach gleich mehrere Punkte einer erfolgreichen modernen Therapie an. Ungeachtet der Betonung des Blutzuckermessgerätes ContourUSB war der Vortrag sehr vielseitig und interessant. So erfuhren wir die unterschiedliche, empirisch genannte Aspekte des Vorbehaltes und der Bedenken von Typ-2-Diabetiker gegenüber der Insulintherapie und der positiven Retroperspektive. Richtig wissenschaftlich wurde der zweite Vortrag, in dem Prof. Dr. Christoph Bode die Verbindung zwischen dem Vorhofflimmern und der chronischen Krankheit Diabetes aufzeichnete. Diese “häufig unerkannte” Gefahr wird demnächst in einem separaten Artikel auf dem DiabetesIndex nachzulesen sein, weshalb hier nur darauf hingewiesen sei. Einen sehr interessanten und emotional schönen Abschluss bildete der Vortrag von Claudia Geis, die zum einen eine äußerst detaillierte Umfrage über die Alltagssituation der diabetischen Kinder in Deutschland, angefertigt in Zusammenarbeit mit Diabetes-Kids, vorstellte und zum anderen die beiden von Bayer unterstützten Projekte FineStar und Camp D präsentierte.
Insgesamt war es ein sehr interessanter und vielseitiger Kongress, gleichwohl keine bahnbrechenden Neuigkeiten präsentiert wurden. Aus diesem Grund freuen wir uns schon, den DDG 2012 in Stuttgart zu besuchen und ihnen nachfolgenden aus dem Südwesten Deutschlands zu berichten.
