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Sabine Hancl : Humaninsulinunverträglichkeit



Als Kind erkrankte ich vor 41 Jahren an Diabetes. Eingestellt war ich zunächst auf Rinderinsulin, später auf Schweineinsulin. Anfang der 80ger Jahre eroberte Humaninsulin den Insulinmarkt. Dazu bediente sich die Pharmaindustrie fragwürdiger Marktstrategien. Da bekannt war, dass Nebenwirkungen von Humaninsulin fehlende oder verminderte Wahrnehmung von Hypoglykämien sowie Störungen im Zentralnervensystem waren, wurde per Gesetz festgelegt, daß eine Umstellung von tierischem auf Humaninsulin nur aus medizinischen Gründen erfolgen durfte. Die Insulinhersteller verschenkten Spritzhilfen (Pen) und veranstalteten Patientenschulungen mit dem Ziel der Vermarktung von Humaninsulin. Mir wurde von einem großen deutschen Pharmakonzern 60.- DM für jeden Diabetiker in meinen Selbsthilfegruppen geboten, den ich überreden konnte, Humaninsulin zu benutzen! Seit Ende der 80ger weiß ich, daß ich eine Humaninsulinunverträglichkeit habe. Bis auf den Zusatz "HM" waren Verpackung und Ampullenaufkleber für Humaninsulin und tierisches Insulin der Firma Novo Nordisk völlig identisch. So kam es zu einer Verwechslung in der Apotheke. Ich spritzte Humaninsulin mit der Folge von Störungen im Zentralnervensystem. Es wurde erstmals eine Humaninsulinallergie diagnostiziert.
Mit großer Besorgnis beobachtete ich, wie gentechnisches Insulin das natürliche, tierische zunehmend vom Markt verdrängte. Ich setzte mich in Verbindung mit dem Forum Insulin Schweiz und IDDT International, Patientenverbände in der Schweiz und in England, die für den Erhalt tierischer Insuline kämpfen. Als 2002 Aufkleber auf den Insulinverpackungen darauf aufmerksam machten, daß die Produktion von tierischem Insulin ab Dezember 2001 eingestellt wird, reichte ich beim Bundestag eine Petition zur Verfügbarkeit tierischer Insuline ein. Ende 2001 wurde mir auf schreckliche Weise noch einmal meine Humaninsulinunverträglichkeit gezeigt.

Durch eine Lebensmittelvergiftung hatte ich unstillbares Erbrechen. Der Stoffwechsel entgleiste, mein Körper übersäuerte. Das gespritze Insulin senkte den Blutzucker nicht mehr, die Werte stiegen auf 600mg und ich fiel ins Koma. Ein Freund gab dem Notarzt mein tierisches Insulin und die dringende Warnung vor Humaninsulin mit. Das Insulin kam in der Klinik an, nicht jedoch der Warnhinweis und so beachtete auch niemand mein Insulin, stellte den ungeöffneten Beutel auf den Nachttisch. Ich bekam eine Infusion mit Velasulin HM. Schon nach kurzer Zeit kam es zu einer Stoffwechselstörung im Gehirn mit Atemstillstand. Ich mußte reanimiert werden. Die Stoffwechselstörung und das furchtbare Trauma, daß ausgerechnet mir das passiert ist, vor dem ich immer Angst hatte, hatten fatale Folgen. Kurz nach der Krankenhausentlassung bekam ich eine schwere Psychose, die einen fast einjährigen Psychiatrieaufenthalt notwendig machte. Inzwischen wurden erneut Antikörper gegen Humaninsulin diagnostiziert. Derzeit ist nur noch tierisches Insulin der Firma Berlin Chemie in Deutschland verfügbar, der Hersteller hat Nachzulassung beantragt. Sofort verfügbar ist das Caninsulin für den diabetischen Hund. Dieses Insulin wird für eine Minderheit produziert, weil der Hund eine Humaninsulinunverträglichkeit hat.
Von einer Unverträglichkeit betroffen sind mindestens 10% aller insulinpflichtigen Diabetiker. Dennoch gibt es in Deutschland keine freie Insulinwahl, tierische Insuline sind den Ärzten nicht mehr bekannt und aus dem Zentralregister der Apotheken genommen. Der Patient muß sich selbst helfen, gut informiert sein. Ich habe inzwischen eine Petition bei der EU Kommission eingereicht. Es kann nicht sein, daß wir in Deutschland als Diabetiker in der Versorgung benachteiligt sind gegenüber angrenzenden europäischen Ländern.

Es ist mir gelungen, Unterstützung auch bei anerkannten Spezialisten zu finden. Tierisches Insulin muß wieder uneingeschränkt verfügbar sein.

Für weitere Informationen bezüglich dieses Anliegens, schauen Sie bitte unter folgender URL nach: http://gopetition.com/info.php?petid=3152 oder schreiben Sie ein Mail an: hancl@gmx.net

Ein zugehöriger Download ist ein Artikel von A.Teuscher mit dem Titel: "Tierische Insulin - Trotz Rückzügen auch weiterhin in der Schweiz erhältlich." - Download


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in Version 00.08.49