Die Diagnose Diabetes hat unser Leben auf einen Schlag verändert. Obwohl wir genauso leben wie zuvor und es nichts gibt, was wir nicht mehr machen können, habe ich trotzdem immer das Gefühl, dass alles anders ist und nichts mehr wie es war. Es gibt keine nennenswerten Einschränkungen, dafür aber viele kleine Extras, an die man denken muss. Anfang 2003 hatte meine Tochter Benita, damals fast sieben Jahre alt, einen grippalen Infekt, von dem sie sich nicht mehr erholte. Sie wurde immer kraftloser. Die typischen Anzeichen wie extremer Durst und Hunger fielen erst einmal nicht auf. Hinterher ist man ja immer schlauer und sieht vieles mit anderen Augen. Worüber mein Mann und ich uns mehr Sorgen machten, waren die häufigen Gänge zur Toilette, was auch der Lehrerin in der Schule auffiel. Unser erster Weg führte zum Urologen, da Benita in der Vorgeschichte eine Auffälligkeit an der Niere hatte, die sich zwar verwachsen hatte, aber immer im Hinterkopf behalten werden sollte. Der Urologe stellte „nur“ Zucker im Urin fest und schickte uns zum Kinderarzt. Dieser schlug dann Alarm und überwies uns sofort ins Krankenhaus. Im nachhinein läuft mir immer noch ein Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke, wie kurz Benita vor einer Ketoazidose stand: Der Blutzucker lag bei über 800 mg/dl.
Schulung für die ganze Familie
Zu unserem großen Glück hatte ich mich für das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke entschieden, das über eine Diabetes-Ambulanz verfügt und für Kinder eine ausgezeichnete Adresse ist. Die Schulkinderstation, auf der Benita zwei Wochen zur Einstellung war, sieht nicht nach Krankenhaus aus und riecht auch nicht danach. Das Personal ist sehr
nett und die Eltern sind immer willkommen. Benita, mein Mann und ich nahmen 14 Tage lang an der Schulung teil, danach ging es nach Hause, mit einem „neuen“
Kind im Gepäck. Benita hatte sich unterwegs noch einen Magen-Darm-Virus eingefangen, so dass ich zu Hause gleich den „Ernstfall“ proben konnte. Mit telefonischer Unterstützung unserer Ärztin klappte dies gut.
Wieder zu Hause
In der ersten Zeit verliefen die Wochen wie im Flug. Ich war den ganzen Tag damit beschäftigt, BEs auszurechnen, Essen
abzuwiegen und Bücher zum Diabetes zu lesen. Viel Zeit über unser Schicksal nachzudenken blieb mir nicht. Der Alltag nimmt einem da einiges ab. Inzwischen sind BEs &Co. Routine und gehören einfach dazu. Auch das Gepäck, das man nun wieder wie zu Babyzeiten mit sich schleppt und die Traubenzuckerstücke, die in jeder Tasche liegen, sind normal. Die erste schwierige Situation nach Feststellung des Diabetes kam mit dem nächsten Kindergeburtstag auf uns zu. Ehrlich und direkt, wie Kinder nun einmal so sind, gab man Benita zu verstehen, dass sie wegen des Diabetes nicht
eingeladen werden würde. Dem Kind zu erklären, dass hier keine böse Absicht, sondern nur Unsicherheit vorlag, war nicht ganz einfach. Mittlerweile haben
wir das aber prima gelöst und Benita ist nun wie die anderen Kinder auch bei den Feiern dabei.
Unbeschwert leben – wie andere Kinder auch
Ansonsten ist mein Hauptziel, meinem Kind ein Leben zu ermöglichen, das sich nicht von dem seiner Freunde unterscheidet. Ob Wandertag, Schulschwimmen, Klassenfahrt – ich bin immer dabei. Aufgrund meiner freiberuflichen Tätigkeit kann ich mir das zum Glück einteilen. Mit ihren knapp zehn Jahren trägt Benita eine große Verantwortung. Glücklicherweise hat sie Freundinnen, die sie unterstützen und zu ihr halten. Benita ist ein zufriedenes und lebenslustiges Kind. Die Frage, was sie an ihrem Diabetes stört, kann sie nie beantworten. Der ist eben einfach da! Diese Einstellung, den Diabetes so wie er ist zu akzeptieren, ist wahrscheinlich für ein Kind leichter als für einen Erwachsenen. Vielleicht sollten wir in dieser Beziehung einfach mal mehr
Kind sein und den Diabetes annehmen, ihn nicht anklagen und vor allem in der Öffentlichkeit selbstbewusst damit umgehen und darüber reden.
Christina Büttner
www.diabetes-lino.de
Erlaubte Quelle: Zucker - Kundenmagazin der Firma Lifescan
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